Master Ma Tsun-Kuen (1908-1993) war Gelehrter, Provinzgouverneur, Kampfkünstler und General. Nach dem chinesischen Bürgerkrieg ist er nach Taiwan ausgewandert; um 1970 ist er über die USA weiter nach Argentinien ausgewandert, wo er Verwandtschaft hatte
Einmal wurde er gefragt, warum er in Buenos Aires blieb; sein Antwort: "Ich mag es hier – der Zusammenhalt der Familien erinnert mich an China".
Schon als Kind fing Meister Ma an, externe Kampfkünste zu lernen und trainierte diese fleißig viele Jahre lang. In den 30'er Jahren begegnete er einem wandernden Taoist, von dem er Tai Chi Chuan und andere interne taoistische Techniken lernte. Auch hatte er Kontakt zu anderen Tai Chi Chuan- Meistern: er war zum Beispiel mit Cheng Man Ching befreundet.
Es waren die Prinzipien der Philosophie und der Bewegung, die für Meister Ma am wichtigsten waren, nicht ein bestimmter Familienstil. Als er jedoch zu unterrichten anfing, entschied er sich, Yang-Stil- Formen als "Gefäß" für diese Prinzipien zu benutzen. Als Grund dafür gab er an: "Diese Formen und Techniken sind gut und schon weit verbreitet."
Die Formen von Ma Tsun-Kuen Tai Chi Chuan ähneln also denjenigen von Yang-Stil, werden aber oft mit unterschiedlichen Übergängen oder Betonungen ausgeführt. Die Schule ist keinem bestimmten Mitglied der Yang-Familie oder ihren Nachfolgern verbunden, sondern einfach den Prinzipien von Tai Chi (Chuan).
Fernando Chedel (geboren 1947 in Buenos Aires) fing 1973 an, Tai Chi Chuan bei Meister Ma zu lernen, und setzte dieses Training intensiv bis zum Tode von Meister Ma in 1993 fort. Während dieser Zeit gründete er den Tai Chi Verband von Argentinien. Fernando Chedel ist der designierte Nachfolger und Stilvertreter; 1993 änderte er den Namen des Verbands zu Ma Tsun-Kuen Tai Chi Chuan Association um seinen verstorbenen Meister zu ehren. Seitdem trainiert, entwickelt und unterrichtet er sein Tai Chi Chuan weiter; er unterrichtet regelmäßig in Spanien, Deutschland, Bulgarien und Frankreich.
Anfang 2005 ist er von Argentinien nach Spanien gezogen, um besseren Kontakt mit und Zugang zu der wachsenden Anzahl seiner europäischen Schüler zu haben. Für mehr Information, siehe das Interview mit Fernando Chedel.
Ma Tsun-Kuen Tai Chi Chuan setzt eine besondere Betonung auf das Unterscheiden (und danach Kombinieren) von yin und yang in den Bewegungen – und ebenfalls im Geist. Dies gilt sowohl für Solo- als auch für Partnertraining und wird immer subtiler je mehr das Training vertieft wird.
Das Training der Prinzipien auf der Basisebene wird mittels Übung der "stehenden Säule" (meditatives Stehen, das zwischen einigen Minuten und einer Stunde dauern kann) und den sechs "Tai Chi-Tsao" ausgeführt . Diese sind Übungen, die aus relativ einfachen, wiederholten Bewegungen bestehen, und die die körperlichen und geistigen Basics von Chi Kung (Qi Gong) und Tai Chi Chuan trainieren. Sie fördern Kraft, Beweglichkeit, Entspannung, Erdung, Fokus, Zentrierung und den geistigen Zustand von wu wei (nicht willentlich herbeiführen, sondern wirkungsvoll geschehen lassen). Die Tai Chi-Tsao schaffen eine gute Basis für weitere Entwicklung und können mehr oder weniger intensiv ausgeführt werden, je nach Bedarf.
Die Kurzform des Ma Tsun-Kuen-Stils ist relativ leicht zu erlernen und hat nur 13 Stellungen (Wiederholungen und links-rechts Varianten nicht mitgezählt). Alle Bewegungen werden gleichmäßig links- und rechts herum ausgeführt, was ein ausgeglichenes Fundament für Körper und Geist schafft. Bei normaler Geschwindigkeit dauert die Ausführung ca. 7-8 Minuten. Trotz ihrer "Einfachheit" hat diese Form eine klare und direkte Beziehung zur Selbstverteidigung und weist immer mehr Tiefe und Subtilität auf, je länger man sie übt.
Danach kommt die lange Soloform: diese basiert auf der 108'er Yang-Form, weist aber wichtige Unterschiede in der Ausführung auf. Bei normaler Geschwindigkeit dauert diese Form um die 25 Minuten. Später kann mach auch eine schnelle Form und eine Partnerform lernen.
Partnerarbeit und -übungen sind ein wichtiger Bestandteil von Ma Tsun-Kuen Tai Chi Chuan. Begonnen mit relativ einfachen Übungen des tui shou ("schiebende Hände"): diese machen Spaß und beinhalten sowohl kommunikative als auch kämpferische Aspekte. In Laufe der Zeit und bei genügenden Interesse können sich Schüler auch in freiem tui shou, Kampfanwendungen und san shou (Sparring, Kampftraining) vertiefen.
Bei den länger etablierten Schulen des Verbandes wird der Unterricht in zwei Kategorien eingeteilt: Tai Chi-Gesundheit und Tai Chi-Kampfkunst. Die Stunden unter dem Rubrik "Tai Chi-Gesundheit" sind ideal für Leute, die sich hauptsächlich für Gesundheit und Entspannung interessieren. Die Stunden der Tai Chi-Kampfkunst integrieren Inhalt und Wirkung der Gesundheitsstunden und ergänzen sie mit Kampfkunsttraining, wie z.B. freies tui shou, Kampfanwendungen und Entspannung in Stresssituationen, so dass die ganze Bandbreite des Tai Chi Chuan erforscht werden kann.